Die Kunst der Gartenplanung
Der Traum vom eigenen Garten ist für viele Menschen der Grund für den Bau eines Einfamilienhauses. Ein schöner Aussenraum gestaltet sich jedoch nicht von allein. Gartenexperte Hansueli Kobel erklärt, wie Sie Ihr ganz privates Paradies planen können.

Hansueli Kobel, wann sollte die Bauherrschaft mit der Gartenplanung beginnen ?
Idealerweise bereits am Anfang der Hausplanung. Man sollte sich ein Gesamtkonzept von Innen- und Aussenraum überlegen und die eigenen Bedürfnisse sowie das Budget klären. Es lohnt sich, schon früh ein Gartenbauunternehmen oder einen Landschaftsarchitekten beizuziehen. Mit der eigentlichen Umsetzung des Gartens darf man warten. Wir empfehlen sogar, den Garten erst ein halbes oder ein ganzes Jahr nach dem Einzug zu gestalten. Wenn Sie schon eine Weile darin leben, wissen Sie besser, was Sie wirklich brauchen und möchten.
Wie läuft das erste Gespräch mit dem Gartenplaner ab?
Ich stelle zuerst ganz viele Fragen und versuche, die Bauherrschaft kennenzulernen. Sobald ich eine Vorstellung von ihren Wünschen habe, zeige ich ganz viele Bilder, um die Wünsche und Bedürfnisse zu visualisieren. Auch das Budget ist von Anfang an ein wichtiges Thema, schliesslich sollte die Planung im finanziellen Rahmen bleiben.
Was macht einen guten Garten aus?
Das Wichtigste ist, dass man sich darin wohlfühlt. Wenn sich die Kunden freuen, abends wieder in ihr eigenes Paradies zurückkehren zu können, ist der Garten gelungen. So wie die Menschen selbst sind auch ihre idealen Gärten unterschiedlich. Die einen mögen es wild, dynamisch und etwas chaotisch. Die anderen wollen einen aufgeräumten und kontrollierten Aussenraum, wo jedes Blatt perfekt ist.
Sollte man den Garten und das Wohnzimmer gleich gestalten?
Ich rate davon ab, das Wohnzimmer nach draussen zu kopieren. Materialien altern draussen ganz anders. Wer denselben Bodenbelag für Garten und Wohnzimmer verwendet, wird irgendwann feststellen, dass der nicht mehr gleich aussieht. Ich empfehle daher, den Garten mit einer eigenen Handschrift und eigenen Materialien zu gestalten.
Was ist bei der Materialwahl zu beachten?
Je schlichter, desto besser: Es gibt nichts Schlimmeres als eine Baumusterzentrale im Garten. Die Kunst in der Gartengestaltung ist das Weglassen. Man sollte sich auf diejenigen Materialien festlegen, die einem am besten gefallen, und diese dann allenfalls wiederholt einsetzen. Welche Materialien das sind, ist eine Frage des Geschmacks.
Wie wählt man die Pflanzen?
In erster Linie richtet man sich nach dem Standort: Besonnung, Bodenbeschaffenheit usw. sind entscheidend. Dann gehen wir mit den Kunden in eine Baumschule oder Gärtnerei, denn die Auswahl sollte nicht über einen Katalog, sondern über Anfassen und Riechen erfolgen. Der Pflegeaufwand und der persönliche Geschmack entscheiden schliesslich. Im Moment gibt es eine grosse Nachfrage nach Gräsern und Formgehölzen sowie nach Gärten, die ganzjährig blühen. Das erreicht man durch eine entsprechende Pflanzenvielfalt. Auch einheimische Pflanzen sind sehr gefragt, und zwar nicht nur im Rahmen eines wilden Naturgartens: Mit einheimischen Pflanzen kann man ebenfalls eine moderne Gestaltung erzielen.
Ist ein schöner Garten auch in Hanglage möglich?
Gärten am Hang sind zwar aufwändiger zu gestalten, werden aber spannender als flache Gärten. Durch Terrassierung kann man unterschiedliche Räume gestalten: Sitzplätze, Pflanzbereiche, Verbindungswege.
Wie definiert man solche Räume?
Man kann sie mit Hecken oder Sichtschutzwänden voneinander abgrenzen, aber auch transparent durch Schirmbäume, Sonnendächer oder niedrige Bepflanzungen andeuten – je nach Bedürfnis.
Was ist bei Wasser, Feuer und Licht zu beachten?
Wasser ist ein Grundelement und gehört in jeden Garten. Ob eine einfache Vogeltränke oder ein grosser Schwimmteich: Wasser belebt die Sinne. Auch Beleuchtung braucht es unbedingt, aber zurückhaltend. Man sollte mit ihr gezielt Akzente setzen. Feuer, sei es als Kerzen, Fackeln oder Feuerschalen, bringt sehr viel Atmosphäre.
Kann man auch mit Kleinkindern einen schönen Garten haben?
Natürlich. Auch da gilt es, unterschiedliche Räume zu schaffen. Sonnenschutz und Absturzsicherungen sind mit Kleinkindern sehr wichtig. Bei giftigen Pflanzen ist Vorsicht geboten. Und wenn die Kinder älter werden und die Bedürfnisse sich ändern, ist es normal, den Garten neu zu gestalten.
«Wasser ist ein Grundelement und gehört in jeden Garten.»
Hansueli Kobel









