20 Jahre Varier: Möbel, die Bewegung zulassen

Seit 2006 steht Varier für eine besondere Perspektive auf das Sitzen. Die norwegische Marke entwickelt und produziert Stühle, die nicht auf Stillstand ausgelegt sind, sondern Bewegung ermöglichen. Zum 20-jährigen Bestehen blickt Varier nun auf eine Geschichte zurück, die weit vor der eigenen Gründung beginnt – und heute aktueller wirkt denn je.

Denn unser Alltag hat sich verändert. Wohnungen sind längst nicht mehr nur private Rückzugsorte, sondern auch Arbeitsplätze, Treffpunkte und Orte der Konzentration. Gleichzeitig bleiben die Bedürfnisse des menschlichen Körpers dieselben: Wir sind nicht dafür gemacht, über Stunden unbeweglich zu verharren. Genau hier setzt Varier an. Die Stühle der Marke laden dazu ein, die Sitzposition zu verändern, natürlichen Bewegungsimpulsen zu folgen und den Körper im Alltag aktiver einzubeziehen.

Die Anfänge einer neuen Sitzkultur

Die Wurzeln dieser Haltung reichen in die späten 1970er-Jahre zurück. Damals rückte in Norwegen das Zusammenspiel von Mensch, Arbeit und Wohlbefinden stärker in den Fokus. Auch das norwegische Arbeitsumgebungsgesetz von 1977 trug dazu bei, ergonomische Fragen neu zu verhandeln.

In diesem Kontext entwickelte Hans Christian Mengshoel das Balans®-Prinzip. Eine nach vorne geneigte Sitzfläche in Kombination mit Schienbeinauflagen sollte eine natürlichere Haltung fördern und den Druck auf den Körper reduzieren. Was zunächst wie ein radikaler Gegenentwurf zum klassischen Stuhl erschien, wurde zu einem wichtigen Impuls für das norwegische Möbeldesign.

Ikonen des bewegten Sitzens

In den 1980er-Jahren gewann diese experimentelle Haltung weiter an Kraft. Designer begannen, vertraute Formen zu hinterfragen und neue Möglichkeiten des Sitzens auszuloten. Zu den bekanntesten Entwürfen zählt Ekstrem™ von Terje Ekstrøm. Der skulpturale Stuhl wurde bereits 1972 entworfen, ging jedoch erst 1984 in Produktion – und wurde gerade durch seine ungewöhnliche Form zu einer Designikone.

Auch Gravity™ von Peter Opsvik aus dem Jahr 1983 steht exemplarisch für diesen Ansatz. Der Stuhl wurde als vielseitiges Möbel konzipiert, das sowohl konzentriertes Arbeiten als auch entspanntes Zurücklehnen ermöglicht. Statt eine einzige Sitzposition vorzugeben, eröffnet Gravity™ verschiedene Haltungen und Nutzungsweisen.

In den 1990er-Jahren erreichte norwegisches Design ein breiteres internationales Publikum. Innerhalb der Balans®-Kollektion wurde das Prinzip des dynamischen Sitzens weiter verfeinert. Modelle wie Thatsit™ boten mehr Anpassbarkeit und eine grössere Vielfalt an Positionen. Mit Actulum™ führte Peter Opsvik Schaukelkufen ein, um auch in konventionelleren Umgebungen subtile, kontinuierliche Bewegung zu ermöglichen. Peel™ von Olav Eldøy wiederum spiegelte ein wachsendes Bedürfnis nach Komfort, Leichtigkeit und ergonomischem Denken wider.

Varier als neues Kapitel

Mit der Gründung von Varier im Jahr 2006 begann ein neues Kapitel für diese Entwürfe. Die Marke versteht sich nicht als Verwalterin historischer Objekte, sondern als Bewahrerin lebendiger Konzepte. Ziel ist es, die gestalterische Essenz jedes Modells zu erhalten und gleichzeitig seine Alltagstauglichkeit weiterzuentwickeln.

Dazu gehört eine enge Zusammenarbeit mit den ursprünglichen Designern und deren Teams, aber auch ein sorgfältiger Umgang mit Materialien, Proportionen und Details. Bestehende Entwürfe werden behutsam angepasst, ohne ihre Identität zu verlieren. Gleichzeitig entstehen neue Stühle, die das Thema Bewegung in zeitgemässe Kontexte übersetzen.

Ein Beispiel dafür ist Variable™ Plus, das 2021 in Zusammenarbeit mit Peter Opsvik und seinem Team eingeführt wurde. Aufbauend auf dem Original von 1979 ermöglicht die ergänzende Rückenlehne noch mehr Sitzpositionen. 2023 folgte Social®, ein gemeinsam mit Snøhetta entwickelter Stuhl. Er reagiert auf eine veränderte Welt, in der Rückzug, Begegnung und neue Formen des Miteinanders stärker in den Fokus gerückt sind.

Relevanz für heute

Dass Varier heute sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist mehr als ein Markenjubiläum. Es ist auch ein Rückblick auf eine Designhaltung, die den Körper ernst nimmt und den Alltag nicht als statisch versteht. Gerade in einer Zeit, in der Wohnen, Arbeiten und Leben immer stärker ineinandergreifen, gewinnt diese Haltung an Bedeutung.

Varier zeigt, dass Ergonomie nicht rein technisch gedacht werden muss. Sie kann intuitiv, gestalterisch und selbstverständlich sein. Gute Möbel schreiben dem Körper nicht vor, wie er sich zu verhalten hat. Sie eröffnen Möglichkeiten – für Konzentration, Entspannung, Austausch und Bewegung.

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