Wie im Paradies

Wenn Architekten ihr eigenes Haus bauen, ist das etwas ganz Besonderes. Der in Norwegen lebende kanadische Architekt Todd Saunders hat in der regenreichsten Stadt Europas ein zauberhaftes Refugium für seine Familie geschaffen.

Wie im Paradies
Das Licht im Hausinneren taucht den starken Baukörper abends in ein märchenhaftes Licht.
Text Martina Hunglinger, Donika Gjeloshi | Fotos Mads Mogensen
Wenn Architekten ihr eigenes Haus bauen, ist das etwas ganz Besonderes. Der in Norwegen lebende kanadische Architekt Todd Saunders hat in der regenreichsten Stadt Europas ein zauberhaftes Refugium für seine Familie geschaffen.
Was macht wohl der international renommierte Architekt Todd Saunders, wenn es darum geht, sein Familienhaus zu gestalten? Er baut es im Paradies, genauer gesagt in Paradis, einem «idyllischen Freudengarten», reich an üppig grünen Wäldern, stahlblau funkelnden Seen und hübschen, mit Rhododendren gezierten Gärten. Der südliche Teil von Bergen ist auch für seine traditionellen, puppenhausartig anmutenden Reihenhäuser bekannt. «Das Quartier ist reizend. Der Schulweg unserer Mädchen hat etwas Magisches. Es ist schön, dass sie jeden Tag auf so einem bezaubernden Weg zur Schule gehen können», sagt Trude Saunders, «es ist eine Gegend, in der sich die Menschen keine Sorgen darüber machen müssen, ob sie die Türen verschlossen haben, jeder kennt sich. Wir leben wirklich im Paradies.»Dem kanadischen Architekten und Familienvater war von Anfang an klar, dass er nicht nur ein Haus, sondern ein Zuhause für seine Familie schaffen wollte. Der Neubau sollte auch Rücksicht auf die nachbarschaftlichen und traditionsreichen Bauten nehmen. Schliesslich war das Ziel, dass die Architektur den Tagesabläufen der Familie entspricht und damit das Leben in und um das Haus optimal gestaltet. Dabei wurde Todd Saunders sogar von einer seiner beiden Töchter unterstützt. Als sie nämlich bemerkte, dass ihr Vater die Küche auf einer Seite des Hauses geplant hatte, schlug sie vor, die Küche doch lieber zentral zu platzieren. «Ihren Rat befolgte ich selbstverständlich», erzählt er. «Wenn deine Tochter sagt, dass die Küche das Herz eines Hauses sei, dann gibt es keine weiteren Diskussionen. Und sie hat ja auch recht.»

Es gibt kein schlechtes Wetter

Das norwegische Wetter spielte bei der Planung eine bedeutende Rolle. «Wir haben rund 300 Regentage im Jahr», sagt Trude Saunders. Bergen ist somit die regenreichste Stadt Europas. Wenn es aber um die raue Natur geht, bewegt sich ihr Mann Todd auf keinem unbekannten Terrain. Schliesslich ist er für seine markanten, geometrischen Pavillons auf Fogo Island im wilden Neufundland Kanadas bekannt. Er meisterte diese Herausforderung, die ihm das Wetter stellte, durchaus elegant. Den Baukörper formte er aus zwei Hauptstrukturen: einem vertikalen, 9 Meter hohen Turm und einem horizontalen, 35 Meter langen und 6 Meter breiten Element. Auf diese Weise erhielt das Haus einen schwebenden Charakter und gedeckte Aussenräume. Mehrere Terrassen mit schwellenlosen Übergängen erlauben es den Kindern, sich sicher und unbeschwert zwischen drinnen und draussen zu bewegen und damit auch bei Regenwetter an der frischen Luft zu spielen.

Der Regen bestimmte auch die Fassade des Hauses der Familie Saunders, so wie bei den Häusern der Einheimischen auch. «In den umliegenden Wäldern werden die Baumstämme durch den ständigen Regen schwarz», erklärt Saunders, «so bestehen auch die lokalen Häuser aus schwarz gebeiztem Holz, um sich in die Naturlandschaft zu integrieren.» Auf die traditionelle Vorgehensweise ging der Architekt ein. Er nutzte diese Ausgangslage eines schwarzen Äusseren, um im Hausinneren einen starken Kontrast durch viel Weiss zu kreieren und die Lichtreflexion zu maximieren. Vom überdachten Eingangsbereich, der mit den Schaukeln zum ersten Spielplatz der Mädchen zählt, geht es ins Erdgeschoss, wo ein Spielzimmer auf die Kinder und ihre Freunde wartet. Hell, einladend und mit ausgewähltem Interieur gibt das Entree einen Vorgeschmack auf den skandinavischen Einrichtungsstil, der sich wie ein roter Faden durch alle Räume zieht.

Skandinavisch Wohnen in voller Länge

Eine massgefertigte, schwebende Treppe führt zu den Etagen. Im Obergeschoss liegt die Mastersuite der Eltern im Westflügel, die beiden Kinderzimmer auf der gegenüberliegenden Seite. Saunders erzählt, wie es seine älteste Tochter liebe, von ihrem Zimmer aus die hohen Bäume im Wald zu bestaunen, während seine Bedürfnisse etwas einfacher sind. «Ich brauche drei Schritte zum Badezimmer und vier zur Kaffeemaschine.» Zwischen den Privaträumen liegt der Wohnbereich mit Küche und damit das Herz des Hauses, so wie es sich seine Tochter gewünscht hatte. Der lange Raum wird durch ein Cheminée in einen Koch-Ess-Bereich und ein gemütliches Wohnzimmer gegliedert. Die Weitläufigkeit des Wohnbereichs wird durch die eleganten, 14 Meter langen Dielen von Dinesen zusätzlich betont. Auf dem Dachgeschoss befindet sich das, was Todd Saunders den grössten Luxus der Familie nennt: eine rund 40 Quadratmeter grosse Bibliothek. «Wir sind alle verrückte Büchernarren», sagt er. Hier kann die ganze Familie lesen und sein, umgeben von den Büchern, die sie lieben. Grosse Fenster bringen auf jeder Etage viel Tageslicht ins Haus. Nachts schimmert das Licht der Innenleuchten durch die Glasflächen, dadurch wirkt das Haus wie eine riesige Laterne, was alles in eine märchenhafte Stimmung taucht.

Die Möbel und Einrichtungsgegenstände wurden zusammen mit dem renommierten schwedischen Künstler Hannes Wingate ausgewählt. Wingate kuratierte eine Sammlung von Stücken, welche die Geometrie der Räume hervorheben und mit dem modernistischen Gebäude harmonieren. Es überrascht deshalb nicht, dass dazu sowohl dänische Klassiker als auch moderne Küchenbarhocker von Søren Rose gehören. Hier scheinen die Worte von Architekt William Morris gelebt zu werden. Dieser sagte: «Habt nichts in euren Häusern, von dem ihr nicht sicher wisst, dass es nützlich ist, oder von dem ihr nicht glaubt, dass es schön ist.» Obwohl Saunders anerkennt, dass das Haus funktional ist, verabscheut er die moderne «Immobilienmakler»-Konnotation dieses Wortes. Das Haus strahlt vielmehr ein warmes und solides Ambiente aus, als einen minimalistischen Funktionalismus zu demonstrieren. Die reduzierte Formensprache, das aus der umliegenden Natur abgeleitete Farbkonzept und die Verwendung von Naturmaterialien erinnern an Frank Lloyd Wrights organischen Modernismus, der die Harmonie von Gebäude und Landschaft zum Ziel hat. «Es ist ein Familienhaus», sagt Saunders. «Wir haben, was wir brauchen, und es gibt nichts, was wir nicht benutzen würden.» In der Tat scheint es, dass sie in Paradis alles und noch viel mehr haben.

«Wenn deine Tochter sagt, dass die Küche das Herz sei, gibt es keine weiteren Diskussionen.»Todd Saunders, Architekt und Bauherr

TECHNISCHE ANGABEN

Wie im Paradies
Dachgeschoss
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Obergeschoss
Wie im Paradies
Erdgeschoss

[ ARCHITEKTUR ]

Todd Saunders, Saunders Architecture | saunders.no

[ KONSTRUKTION ]

Holzbau | Flachdach | Fassade: Holzschalung

[ Raumangebot ]

Nettowohnfläche: 350 m² | Anzahl Zimmer: 7,5

[ Ausbau ]

Boden: Holzdielen, Estrich | Wände: Holz, Verputz, Platten | Decken: Holz

[ Technik ]

Erdwärmepumpe | Bodenheizung | Cheminée

Wie im Paradies
Mitten im Wald scheint das Haus zu schweben.
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Der überdachte Eingangsbereich mit Schaukeln ist auch der erste Spielplatz der Mädchen. Hinsichtlich der Materialisierung wird hier das Spiel mit Kontrasten bereits angetönt.
Wie im Paradies
Helle Böden und Wände reflektieren das Tageslicht, das von den vielen Fenstern hereingebeten wird. Die Küche vom traditionsreichen Hersteller Kvänum ist mit Vintage-Möbeln und skandinavischen Designprodukten ausgestattet.
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Das Entree gibt mit Daybed von Another Country und dänischen Vintage-Hockern einen Vorgeschmack auf das Interieur.
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Mit ein paar Schaukeln hat der Familienvater den Eingangsbereich in einen überdachten Spielplatz für seine Töchter verwandelt.
Wie im Paradies
Die 9 Meter lange, schlicht gestaltete Küchenzeile wird durch das Grün des Waldes geschmückt.
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Das Wohnzimmer besticht mit ausgewählten Möbeln von Moroso, E15, Lone Tepper und SCP. Hinter dem Sofa geht es zur nächsten überdachten Terrasse.
Wie im Paradies
Die Dimension des Baukörpers wird hier deutlich, aber auch seine Geradlinigkeit und die harmonische Einbettung in die Natur.
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Mit überdachten Terrassen hat Todd Saunders Plätze geschaffen, die bei jedem Wetter nach draussen locken.
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Das Haus bietet viele überdachte Terrassen. Dank den Glasgeländern bleibt die Sicht auf den grünen Garten frei.
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Auch dieses Schlafzimmer trägt ein helles Kleid und beherbergt ausgewählte Vintage-Stücke.
Wie im Paradies
Eines von drei Bädern. Allen gemein sind die handgefertigten Keramikplatten aus San Francisco.
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Das Interieur bringt die Natur ins Haus, sei es durch hochwertige Möbel aus Naturmaterialien oder dekorative Baumzweige.
Wie im Paradies
Ebenso geschmackvoll wie gemütlich ist das Wohnzimmer eingerichtet. Der schmale Korridor führt zur Küche. Die massgefertigte Treppe führt ins Dachgeschoss zur geliebten Bibliothek.
Wie im Paradies
Hier wird im, um und auf dem Haus gelebt. Es ist ein Familienrefugium, ein Fels in der Brandung, ein Paradies für Eltern und Kinder.
Wie im Paradies
Todd Saunders hat viele gemütliche Aussenbereiche geschaffen, es sind Zufluchtsorte, die rund um das Haus entdeckt werden wollen.
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Als grössten Luxus bezeichnet Architekt Todd Saunders die grosszügige Bibliothek im Obergeschoss.
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Erdgeschoss
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Obergeschoss
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Dachgeschoss
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