Licht zum Mitnehmen
Mit FollowMe brachte Marset 2014 eine der ersten portablen Designleuchten auf den Markt – und veränderte damit die Beziehung vieler Menschen zu Licht. Nun erhält die Leuchte von Inma Bermúdez ein technisches und ästhetisches Update. Im Interview spricht die Designerin über die Anfänge, die Weiterentwicklung und die Geschichten, die FollowMe zu einer echten Ikone gemacht haben.

Inma Bermúdez, als FollowMe 2014 auf den Markt kam, gab es kaum mobile Leuchten. Woher kam die Idee?
Ursprünglich entstand sie aus einer Tischlampe, die ich in alten Marset-Katalogen aus den 1970er-Jahren entdeckte. Eine davon zeigte ein Modell namens Flass. Mich faszinierte die Art, wie der Schirm von einer röhrenförmigen Struktur getragen wurde – etwas an diesem Zusammenspiel war besonders. Von dort aus entwickelte ich das, was in meinen digitalen Ordnern zunächst „New Flass“ hiess.
Gab es einen konkreten Moment oder ein Bedürfnis, das dich inspiriert hat?
Als ich die Idee Javier Marset vorstellte, war die Leuchte noch mit einer Glühbirne ausgestattet und für den Netzanschluss gedacht. Javier schlug vor, einen Schritt weiterzugehen und die damals neu aufkommende Technologie zu nutzen: LEDs und wiederaufladbare Batterien. Die Vorstellung einer kabellosen Lampe, die man überallhin mitnehmen kann, war unglaublich aufregend.
War dir damals bewusst, dass du etwas so Bahnbrechendes entwirfst – oder war es einfach ein natürlicher Ausdruck davon, wie du Licht erleben wolltest?
In den Monaten darauf, während wir die ersten Prototypen testeten, merkten wir, dass wir etwas Neuem sehr nahe waren. Eine andere, freiere, menschlichere Art, mit Licht zu interagieren.
„FollowMe“ ist ein sehr evokativer Name, fast wie eine Einladung. Wer oder was soll einem folgen?
Um einen Namen zu finden, der dem Design gerecht wird, bat ich befreundete französische Architekten und Künstler – RoWin Atelier – um Unterstützung. Es war Weihnachten 2013, und während eines Gesprächs fiel der Titel des Songs Follow Me von Amanda Lear, der Muse von Dalí. Dieser Titel passte perfekt: eine Einladung, sich führen zu lassen, dem Licht zu folgen – fast ein poetischer Gestus. Jahre später wurde derselbe Song von CHANEL für die Kampagne zu Coco Mademoiselle 2023 verwendet. Ich fand es faszinierend, dass eine so ikonische Marke mit so viel ästhetischem Feingefühl genau dieses Lied wählte.
FollowMe ist heute eine zeitgenössische Designikone und wurde mit Preisen wie dem Red Dot Award ausgezeichnet. Wie fühlt es sich an, dass dein Entwurf zu einem Referenzprodukt geworden ist, das so viele Menschen über Jahre begleitet?
FollowMe hat mir unglaublich viel Freude gebracht. Über die Jahre bekam ich Nachrichten und Anekdoten von Nutzerinnen und Nutzern, die erzählten, wie die Lampe Teil ihres Alltags geworden ist. Bei kaum einem Produkt fühle ich eine so starke Verbindung zwischen Designerin und Anwender.
Gab es jenseits des professionellen Erfolgs ein Feedback, das dich besonders berührt hat?
Ja, eines ganz besonders: Mehrere Frauen erzählten mir, dass FollowMe perfekt für nächtliche Stillmomente sei – wegen der einstellbaren Helligkeit und weil man die Lampe einfach mitnehmen kann. Dieser Gedanke, dass FollowMe solch intime, liebevolle Augenblicke begleitet, rührt mich sehr.
Gibt es etwas, das Menschen über FollowMe wissen sollten, das man auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennt?
Vielleicht, dass ihr Ursprung mit einem alten Marset-Design verbunden ist – einer Idee, die bereits existierte und die wir zeitgenössisch neu interpretiert haben. FollowMe entstand nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Wunsch, einer früheren Idee neues Leben zu schenken.
Wenn du heute mit der Inma von 2014 sprechen könntest – was würdest du ihr über die vergangenen zehn Jahre sagen?
Ich würde ihr sagen, dass sie mehr an sich glauben soll. Dass das, was sie tut, Sinn ergibt, auch wenn sie es damals noch nicht sehen konnte. Ich würde ihr raten, ihrer Intuition zu folgen – denn darin liegt ihre Stärke. Und vor allem: den Weg zu geniessen. Diese zehn Jahre würden voller Lernen, Zusammenarbeit und geteilter Emotionen sein.
Abgesehen von FollowMe – was gibt dir heute ein Gefühl von Freiheit?
Neben FollowMe fühlt sich für mich Freiheit besonders so an: weiterhin sinnstiftend gestalten zu dürfen, umgeben von einem Team und Unternehmen, die an den Wert guter Ideen glauben und daran, wie sie das Leben der Menschen verbessern können.




