Über Haltung, Präzision und den Weg vom Gedanken zum Objekt

Was macht ein Möbel zeitlos? Und wie entstehen Entwürfe, die über Jahre relevant bleiben? Im Gespräch geben Hanna Janssen (Produktdesign) und Ansgar Picker (Konstruktion) Einblick in die Arbeitsweise von Interlübke – von der ersten Beobachtung bis zum fertigen Möbelstück.

Seit Jahrzehnten steht Interlübke für Klarheit, Präzision und modulare Möbel, die sich dem Leben anpassen. Doch hinter der formalen Zurückhaltung steckt ein komplexer Entwicklungsprozess, bei dem Beobachtung, Konstruktion, Fertigung und Haltung ineinandergreifen. Design wird dabei nicht als Stilfrage, sondern als funktionale und kulturelle Aufgabe verstanden.

Im Interview sprechen Hanna Janssen und Ansgar Picker darüber, wie neue Möbel entstehen, warum Innovation häufig an Grenzen beginnt und wie der erweiterte Maschinenpark neue gestalterische Spielräume eröffnet. Sie erklären, was gutes Design heute bedeutet, wie sich Modularität im Zeitalter der Individualisierung verändert und welche Rolle lokale Produktion und Nachhaltigkeit für die Zukunft des Wohnens spielen.

1. Woran erkenne ich ein Interlübke-Möbel?
Man erkennt ein Interlübke-Möbel zum einen an technischen Besonderheiten, die es nur bei Interlübke gibt, auf die wir Patente haben, die aus viel Erfahrung und Entwicklungsarbeit über die Jahre entstanden sind. Zum Beispiel unsere Interlübke-Zarge, wahrscheinlich die dünnste und eleganteste auf dem Markt. Oder auch die Lochschiene für die Kleiderschränke, ebenfalls ein Gamechanger in Sachen Lochbohrungen und Höhenverstellbarkeit von Innenausstattungen – die gibt es nur bei Interlübke.
Aber natürlich neben bestimmten Details auch die Haltung: kompromisslose Präzision, durchdachte Proportionen, absolute Klarheit in der Gestaltung – und eine beinahe obsessive Liebe zur perfekten Oberfläche. Unsere Möbel sind nie laut, aber immer präsent.

2. Interlübke gilt als Synonym für Klarheit und Präzision im Möbelbau. Was bedeutet „gutes Design“ für Sie heute – jenseits von schönen Linien und hochwertigen Materialien?
Gutes Design beginnt für uns da, wo Form, Funktion und Langlebigkeit in Einklang treten. Es geht nicht allein um Ästhetik – auch wenn die bei Interlübke selbstverständlich eine zentrale Rolle spielt. Entscheidend ist, wie ein Möbelstück den Alltag erleichtert, wie intuitiv es zu nutzen ist und wie lange es relevant bleibt – optisch wie funktional. Gutes Design altert nicht.

3. Wie entsteht bei Ihnen ein neues Möbelstück? Geht der Impuls eher von einem funktionalen Bedarf aus – oder von einer ästhetischen Vision?
Hanna Janssen: Oft entsteht der erste Impuls tatsächlich aus einer Beobachtung: Wie leben Menschen heute? Was fehlt ihnen, auch wenn sie es vielleicht noch nicht artikulieren können? Daraus entwickelt sich zunächst das funktionale Konzept.
Ansgar Picker: Und dann beginnt das Zusammenspiel. Die Funktion stellt die Anforderungen, das Design gibt den Rahmen vor – und wir bringen beides so zusammen, dass ein Möbel entsteht, das im Alltag funktioniert und im Raum überzeugt.
Ausserdem fliessen Rückmeldungen unserer Kund:innen in unsere Überlegungen ein – sei es im funktionellen Detail oder auf konzeptioneller Ebene, etwa bei Stauraum- oder Anpassungsbedarfen.

4. Wie arbeiten Sie als Team zusammen? Gibt es bestimmte Abläufe bei der Umsetzung von der Idee zum fertigen Produkt?
Ansgar Picker: Unsere Zusammenarbeit ist sehr dialogisch. Sobald ein erster Entwurf steht, prüfen wir gemeinsam die Umsetzbarkeit – technisch, aber auch im Hinblick auf Fertigung und Nachhaltigkeit.
Hanna Janssen: Das ist ein ständiges Pingpong-Spiel. Wir arbeiten eng mit der Fertigung und dem Musterbau zusammen, testen reale Prototypen und justieren permanent nach – bis jedes Detail sitzt.

5. Gibt es Grenzen, an die Sie bei der Entwicklung stossen – gestalterischer oder technischer Natur?
Natürlich. Manchmal ist es ein Material, das sich nicht so verarbeiten lässt, wie wir es uns wünschen. Oder ein Gestaltungsanspruch, der mit der Modularität oder dem Systemgedanken kollidiert. Aber gerade diese Spannungsfelder bringen uns weiter. Viele unserer Innovationen entstehen genau dort – wo wir Lösungen für scheinbar unlösbare Herausforderungen finden.

6. Haben Sie durch die Neuerungen im Interlübke-Maschinenpark jetzt grösseren Handlungsspielraum?
Ansgar Picker: Absolut. Die Präzision der neuen Anlagen ermöglicht uns, sehr feine Toleranzen einzuhalten – gerade bei grifflosen Fronten oder filigranen Fugenbildern.
Hanna Janssen: Und wir können flexibler reagieren, etwa bei individuellen Kundenwünschen oder limitierten Editionen. Das verschafft uns neue gestalterische Freiheiten.

7. Interlübke steht seit Jahrzehnten für modulare Möbel. Wie verändert sich das Konzept von Modularität im Zeitalter der Individualisierung?
Modularität bedeutet heute nicht mehr nur ein Möbel in vielen Grössen. Sondern ein System, das sich fast wie ein Massanzug anpassen lässt – an Räume, Lebensphasen und persönliche Vorlieben. Dabei bleibt unser Anspruch bestehen: Das System muss einfach planbar, klar strukturiert und technisch beherrschbar bleiben.

8. Interlübke fertigt in Deutschland. Welche Rolle spielt die lokale Produktion?
Eine zentrale. Die Fertigung im eigenen Haus erlaubt es uns, direkt zu testen, zu optimieren und zu justieren. Wir wissen, wie unsere Möbel entstehen – und unter welchen Bedingungen. Kurze Transportwege, enge Zusammenarbeit mit regionalen Zulieferern und transparente Prozesse sind Teil unserer Verantwortung.

9. Wie spricht Interlübke auch jüngere Kundinnen und Kunden an?
Hanna Janssen: Durch klares, reduziertes Design und hohe Produktqualität. Jüngere Menschen legen Wert auf zeitlose Gestaltung, langlebige Materialien und nachhaltige Produktionsweisen. Mit der Produktlinie START haben wir ein Format geschaffen, das diese Werte zu einem niedrigeren Einstiegspreis zugänglich macht.
Ansgar Picker: START ist bewusst nicht individuell planbar. Das entspricht dem Wunsch vieler jüngerer Konsument:innen nach Klarheit, Orientierung und sofortiger Verfügbarkeit – ohne die DNA der Marke zu verlieren.

10. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit konkret?
Wir verwenden ausschliesslich E0-Platten mit niedrigen Formaldehydwerten, recyclingfähige Verpackungen und planen die Produktion so, dass möglichst wenig Verschnitt entsteht. Unsere Möbel sind langlebig und reparierbar. Nachhaltigkeit ist kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil unseres Design- und Produktionsprozesses.

11. Wie sieht für Sie die Zukunft des Wohnens aus – und welche Rolle spielt Interlübke dabei?
Hanna Janssen: Wohnen wird flexibler, individueller und bewusster. Räume müssen heute mehr können – vom Homeoffice bis zum Rückzugsort.
Ansgar Picker: Interlübke wird auch künftig Möbel entwickeln, die auf Veränderungen reagieren können, ohne ihren gestalterischen Kern zu verlieren: zeitlos, anpassbar und konsequent hochwertig.

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