Rückblick: Die Ausstellung «Jusoor Design Collections»
Die Ausstellung «Jusoor Design Collections» verstand sich als Plattform für kulturellen Austausch, materielle Forschung und gemeinsame gestalterische Entwicklung.
Initiiert von der Architecture and Design Commission aus Saudi-Arabien, brachte sie fünf saudische Designerinnen und Designer mit internationalen Designpartnern zusammen und machte sichtbar, wie aus Dialog, Handwerk und unterschiedlichen Perspektiven eigenständige Arbeiten entstehen können. Gezeigt wurde die Ausstellung im historischen Palazzo Brera in Mailand.

Der Name «Jusoor», arabisch für «Brücken», war dabei programmatisch. Im Zentrum standen nicht einzelne Objekte als isolierte Entwürfe, sondern ein kollaborativer Prozess, der sich über mehrere Orte erstreckte, darunter Riad, Neu-Delhi, Kathmandu und Barcelona. Die Ausstellung zeigte damit nicht nur Resultate, sondern auch eine Haltung: Design als gemeinsame Sprache, die kulturelle Unterschiede nicht glättet, sondern produktiv macht.
Zu sehen waren Arbeiten von Muotaz Abbas, Aseel Alamoudi, Abeer AlRabiah, Albandari Sulaiman und Saud Alsaleh, die mit den internationalen Partnern Klove Studio, Iwan Maktabi und Lagranja Design zusammenarbeiteten. Die entstandenen Stücke bewegten sich zwischen Lichtobjekt, textilem Sitzmöbel und skulpturalem Regal. Gemeinsam war ihnen ein starkes Interesse an Materialität, kultureller Erzählung und der Frage, wie zeitgenössisches Design lokale Bezüge bewahren und zugleich offen für internationale Zusammenarbeit bleiben kann.

Besonders deutlich wurde dies in den einzelnen Arbeiten. Thanoon, eine monumentale Stehleuchte von Klove Studio und Muotaz Abbas, übertrug die Widerstandskraft einer Wüstenpflanze in eine skulpturale Komposition aus Glas, Metall und Naturfasern. Takween, entwickelt mit Aseel Alamoudi, brachte Sandstein, mundgeblasenes Glas und Edelstahl in ein spannungsreiches Verhältnis. Die CORA Collection von Iwan Maktabi mit Abeer AlRabiah und Albandari Sulaiman verwandelte handgewebte Teppiche in dreidimensionale Sitzobjekte, inspiriert von Korallenarten Saudi-Arabiens und getragen von einem klaren ökologischen Bewusstsein. Ergänzt wurde die Ausstellung durch das TAH Bookshelf von Lagranja Design und Saud Alsaleh, ein spiralig geformtes Regal aus Metall, das sich mit Wissen, Erinnerung und nichtlinearem Denken auseinandersetzt.

Im Rückblick bleibt die Ausstellung vor allem als klug kuratierter Beitrag zu einer global vernetzten Designkultur in Erinnerung. «Jusoor Design Collections» zeigte saudisches Design nicht als abgeschlossene Position, sondern als Teil eines offenen, internationalen Gesprächs. Gerade darin lag ihre Stärke: in der Verbindung von lokaler Verankerung, zeitgenössischem Handwerk und einer Gestaltung, die Austausch nicht nur thematisiert, sondern tatsächlich praktiziert.




