Haus mit Seeblick

Diese aussergewöhnliche Architektur steht im Kontrast zu ihrer idyllischen Umgebung. Gleichzeitig stellt sie auf unterschiedlichste Weise eine Verbindung zu ihrer Umwelt her.

Haus mit Seeblick
Das Haus besteht aus zwei Gebäudeteilen, die durch den Innenhof miteinander verbunden werden. Alle Zimmer richten sich zur Aussicht.
Text   Donika Gjeloshi Fotos   Jeremy Wilson
Diese aussergewöhnliche Architektur steht im Kontrast zu ihrer idyllischen Umgebung. Gleichzeitig stellt sie auf unterschiedlichste Weise eine Verbindung zu ihrer Umwelt her.
Sanftes Vogelgezwitscher, Sonnenschein, der Duft von frischem Grün und die schöne Landschaft, die sich im Wasser des Pools spiegelt – wer im Garten dieses Anwesens steht, fühlt sich in einer exotischen Oase angekommen. Der Blick schweift über hohe Palmen zum saftigen Grün der Wiesen und Sträucher hinüber zum klaren Wasser des Genfersees bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen am Horizont. Hier in Saint-Sulpice geniessen Danielle und Renaud Giroud ihre Ruhe in vollen Zügen.Wo einst ein Haus aus den 60er-Jahren stand, sah der Bauherr und Architekt Renaud Giroud die Chance, den Traum von einem hellen und grosszügigen Anwesen zu verwirklichen. Auf dem 1500 m² grossen Grundstück baute Renaud eine bemerkenswerte Residenz für sich und seine Familie. 15 Jahre lang lebte das Paar mit ihren beiden Kindern in einem alten, grossen Bauernhaus mit dicken Wänden und kleinen Fenstern in Champagne VD, einer Gemeinde in der Nähe von Yverdon. Das Haus war charmant, und die Familie fühlte sich wohl im kleinen Dorf. Eines Tages erhielt der Architekt den Auftrag, ein lichtdurchflutetes Chalet in den Bergen zu planen. Das war der Moment, als er und seine Frau den Wunsch nach einem hellen und offenen Haus entwickelten. Ausserdem wollten sie sich wieder Lausanne nähern, wo das Paar sich kennengelernt hatte und Renaud Giroud Architektur an der ETH sowie an der École Athenaeum (EAAL) unterrichtete. Das Paar suchte also nach einem geeigneten Haus. Jedoch stiessen sie immer auf etwas, das ihnen nicht gefiel und ihren Bedürfnissen nicht zu hundert Prozent entsprach. «Um Lausanne herum sind die Strassen sehr befahren, den Lärm wollten wir uns diesmal nicht zumuten», erzählt der Bauherr. Dennoch suchten Danielle und Renaud Giroud die Nähe zur Stadt.

Genau wie sie sich damals in das Haus in Champagne verliebten, war es mit dem Dorf Saint-Sulpice um sie geschehen. Nur 6,5 km und 15 Autominuten entfernt von Lausanne entdeckte das Bauherrenpaar die geeignete Parzelle an einem ruhigen Ort mit traumhaftem Seeblick und dem Alpenpanorama im Hintergrund. Das alte Haus, das auf diesem Grundstück stand, wurde abgerissen und somit Platz für neue Ideen geschaffen. Das Untergeschoss und der Pool blieben erhalten, auch die grossen Palmen wurden in den Neubau integriert. Das Konzept von Renaud Giroud war durch ein Zusammenspiel, eine Transparenz der Innen- und Aussenräume geprägt. Mithilfe eines weiteren Architekten, der viel Erfahrung als Bauleiter vorweisen konnte, wurden die von Renaud Giroud gezeichneten Pläne von einem hellen und offenen Haus auf zwei Etagen und mit grosser Gartenanlage erfolgreich umgesetzt.

Fliessende Übergänge

Entstanden ist ein extravaganter Bau, den es in seiner Ausführung kein zweites Mal gibt. Durch die Verkleidung mit Eternitplatten gibt sich das Haus seitlich und zur Strasse hin nahezu komplett verschlossen. In Richtung Süden öffnen sich die Innenräume nach aussen, wobei die grosszügige, raumhohe Verglasung Transparenz sowie eine Verbindung zum Aussenbereich schafft und viel Tageslicht hineinlässt. Auf dieser Seite des Gebäudes wird die Raumzirkulation sichtbar sowie das harmonische Zusammenspiel der natürlichen Materialien der Fassade: Die Holzplatten bilden einen warmen Kontrast zum groben Sichtbeton und kalten Stahl. «Ich habe mich bewusst für die Sichtbarkeit der verwendeten Materialien entschieden. Man täuscht so nichts vor. Die Werkstoffe sollen in Szene gesetzt werden und auf natürliche Weise zur Geltung kommen», erklärt Renaud. Ebenfalls eine Verbindung stellt der «Innenhof» dar, der eine Kommunikation zwischen den beiden Gebäudeteilen ermöglicht. Jeder Raum des Hauses erfüllt eine gewisse Funktion, wobei diese nicht immer mit der physischen Abgrenzung der Räume übereinstimmt. Dadurch ergeben sich fliessende Übergänge von Raum zu Raum, vom Innen- zum Aussenbereich, erläutert der Bauherr. Als Beispiel hierfür erwähnt er den durchgehenden Bodenbelag zwischen dem Esszimmer und dem Innenhof. Die beiden dem Zusammensein dienenden Räume werden so einerseits miteinander verbunden und andererseits durch eine Fensterfront voneinander abgegrenzt. Nach Bedarf kann aber auch diese Grenze aufgehoben werden, indem man die Glastüren beiseiteschiebt. Eine Verbindung entsteht so nicht nur zwischen den Räumen, sondern auch mit der Umgebung, da der Wohnbereich mit den Palmen, Sträuchern und dem Ausblick bis zu den Bergspitzen verschmilzt.

auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt

Das Haus besteht im Wesentlichen aus zwei Gebäudeteilen, die den überdachten Innenhof einrahmen. Im rechten Flügel befinden sich mit dem Wohnzimmer, der offenen Küche und dem Essbereich die Haupträume im Erdgeschoss. Darüber können sich die Bauherren in ihr Schlafzimmer zurückziehen. Im linken Flügel hat sich der Bauherr zwei Büroräume eingerichtet, wo er von zu Hause aus seinen beruflichen Tätigkeiten nachgehen kann. Im oberen Geschoss dieses Gebäudeteils sind die ehemaligen Kinderzimmer im Maisonnette-Stil untergebracht, die mittlerweile als Gästezimmer genutzt werden. Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit für Gäste besteht im Dachboden. Dank der Zweiteilung des Anwesens kann der linke Flügel oder können Teile davon zu einem späteren Zeitpunkt vermietet werden, ohne Einbussen bei der Privatsphäre.

Als Architekt war es für den Bauherrn Renaud Giroud nicht ganz einfach, sein eigenes Haus zu entwerfen, da er stets nach Perfektion strebt. «Zum Glück setzten die Platzverhältnisse und das Budget meinen Plänen gewisse Grenzen», meint der Bauherr schmunzelnd. Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall sehen und ist in einer Gegend, wo sonst vorwiegend traditionelle Häuser und eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert das Dorfbild prägen, ein architektonisches Highlight sondergleichen.

«Die naturbelassenen Materialien drücken eine gewisse Aufrichtigkeit aus.»
Renaud Giroud, Architekt und Bauherr

Technische Angaben

[ Architektur ]

Renaud Giroud, Saint-Sulpice VD | www.atelier199.com | Bauleitung: Daniel-André Blatti, Lausanne

[ Konstruktion ]

Massivbau | Satteldach | Fassade: Sichtbeton, Holz, Stahl, Eternitplatten

[ Raumangebot ]

Nettowohnfläche: 400 m² | Anzahl Zimmer: 7

[ Ausbau ]

Boden: Feinsteinzeugplatten | Wände: Sichtbeton | Sky-Frame, Aluminiumfenster

[ Technik ]

Sole-Wasser-Wärmepumpe | Thermische Solaranlage | Cheminée

Haus mit Seeblick
Der bestehende Pool wurde in den Neubau integriert. Er zählt zum aktiven Bereich der strukturierten Gartenanlage, wo auch Gemüse geerntet wird.
Haus mit Seeblick
Fliessende Übergänge von innen nach aussen, von Raum zu Raum zeichnen die Architektur dieses Einfamilienhauses aus. Hier blickt man vom Innenhof aus in die offene Küche und weiter zur Terrasse.
Haus mit Seeblick
Im zweiten Stock teilen sich die beiden Kinder- bzw. Gästezimmer einen gemeinsamen Balkon.
Haus mit Seeblick
Der Innenhof steht im Zentrum des Hauses und bildet im Sommer den Mittelpunkt des Geschehens.
Haus mit Seeblick
Die Einrichtung ist perfekt auf den Stil der Architektur abgestimmt. Dies ist eines der beiden Bürozimmer mit direktem Zugang zum Garten.
Haus mit Seeblick
Über die Galerie gelangt man zu den Schlafzimmern im oberen Stockwerk. Die Glasfront schafft Transparenz zu den verschiedenen Räumen.
Haus mit Seeblick
Alle drei Schlafzimmer verfügen über ein eigenes Bad, und von jedem Zimmer aus geniesst man eine wunderschöne Aussicht. In diesem Schlafraum ist die frei stehende Wanne mit Blick zur Natur ein wahres Highlight.
Haus mit Seeblick
Seitlich und zur Strassenseite hin gibt sich das Einfamilienhaus sichtlich verschlossen. Es ist mit einer Fassade aus Eternitplatten ausgekleidet und mit wenigen Fenstern versehen.
Haus mit Seeblick
Südlich öffnet sich das Gebäude komplett. Die Glasfront ermöglicht dabei einen schönen Ausblick zur Naturlandschaft von jedem Zimmer aus und lässt gleichzeitig von morgens bis abends viel Tageslicht hinein.
Haus mit Seeblick
Erdgeschoss
Haus mit Seeblick
Obergeschoss
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