Haus mit Seeblick
Diese aussergewöhnliche Architektur steht im Kontrast zu ihrer idyllischen Umgebung. Gleichzeitig stellt sie auf unterschiedlichste Weise eine Verbindung zu ihrer Umwelt her.

Genau wie sie sich damals in das Haus in Champagne verliebten, war es mit dem Dorf Saint-Sulpice um sie geschehen. Nur 6,5 km und 15 Autominuten entfernt von Lausanne entdeckte das Bauherrenpaar die geeignete Parzelle an einem ruhigen Ort mit traumhaftem Seeblick und dem Alpenpanorama im Hintergrund. Das alte Haus, das auf diesem Grundstück stand, wurde abgerissen und somit Platz für neue Ideen geschaffen. Das Untergeschoss und der Pool blieben erhalten, auch die grossen Palmen wurden in den Neubau integriert. Das Konzept von Renaud Giroud war durch ein Zusammenspiel, eine Transparenz der Innen- und Aussenräume geprägt. Mithilfe eines weiteren Architekten, der viel Erfahrung als Bauleiter vorweisen konnte, wurden die von Renaud Giroud gezeichneten Pläne von einem hellen und offenen Haus auf zwei Etagen und mit grosser Gartenanlage erfolgreich umgesetzt.
Fliessende Übergänge
Entstanden ist ein extravaganter Bau, den es in seiner Ausführung kein zweites Mal gibt. Durch die Verkleidung mit Eternitplatten gibt sich das Haus seitlich und zur Strasse hin nahezu komplett verschlossen. In Richtung Süden öffnen sich die Innenräume nach aussen, wobei die grosszügige, raumhohe Verglasung Transparenz sowie eine Verbindung zum Aussenbereich schafft und viel Tageslicht hineinlässt. Auf dieser Seite des Gebäudes wird die Raumzirkulation sichtbar sowie das harmonische Zusammenspiel der natürlichen Materialien der Fassade: Die Holzplatten bilden einen warmen Kontrast zum groben Sichtbeton und kalten Stahl. «Ich habe mich bewusst für die Sichtbarkeit der verwendeten Materialien entschieden. Man täuscht so nichts vor. Die Werkstoffe sollen in Szene gesetzt werden und auf natürliche Weise zur Geltung kommen», erklärt Renaud. Ebenfalls eine Verbindung stellt der «Innenhof» dar, der eine Kommunikation zwischen den beiden Gebäudeteilen ermöglicht. Jeder Raum des Hauses erfüllt eine gewisse Funktion, wobei diese nicht immer mit der physischen Abgrenzung der Räume übereinstimmt. Dadurch ergeben sich fliessende Übergänge von Raum zu Raum, vom Innen- zum Aussenbereich, erläutert der Bauherr. Als Beispiel hierfür erwähnt er den durchgehenden Bodenbelag zwischen dem Esszimmer und dem Innenhof. Die beiden dem Zusammensein dienenden Räume werden so einerseits miteinander verbunden und andererseits durch eine Fensterfront voneinander abgegrenzt. Nach Bedarf kann aber auch diese Grenze aufgehoben werden, indem man die Glastüren beiseiteschiebt. Eine Verbindung entsteht so nicht nur zwischen den Räumen, sondern auch mit der Umgebung, da der Wohnbereich mit den Palmen, Sträuchern und dem Ausblick bis zu den Bergspitzen verschmilzt.
auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt
Das Haus besteht im Wesentlichen aus zwei Gebäudeteilen, die den überdachten Innenhof einrahmen. Im rechten Flügel befinden sich mit dem Wohnzimmer, der offenen Küche und dem Essbereich die Haupträume im Erdgeschoss. Darüber können sich die Bauherren in ihr Schlafzimmer zurückziehen. Im linken Flügel hat sich der Bauherr zwei Büroräume eingerichtet, wo er von zu Hause aus seinen beruflichen Tätigkeiten nachgehen kann. Im oberen Geschoss dieses Gebäudeteils sind die ehemaligen Kinderzimmer im Maisonnette-Stil untergebracht, die mittlerweile als Gästezimmer genutzt werden. Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit für Gäste besteht im Dachboden. Dank der Zweiteilung des Anwesens kann der linke Flügel oder können Teile davon zu einem späteren Zeitpunkt vermietet werden, ohne Einbussen bei der Privatsphäre.
Als Architekt war es für den Bauherrn Renaud Giroud nicht ganz einfach, sein eigenes Haus zu entwerfen, da er stets nach Perfektion strebt. «Zum Glück setzten die Platzverhältnisse und das Budget meinen Plänen gewisse Grenzen», meint der Bauherr schmunzelnd. Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall sehen und ist in einer Gegend, wo sonst vorwiegend traditionelle Häuser und eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert das Dorfbild prägen, ein architektonisches Highlight sondergleichen.
Technische Angaben
[ Architektur ]
Renaud Giroud, Saint-Sulpice VD | www.atelier199.com | Bauleitung: Daniel-André Blatti, Lausanne
[ Konstruktion ]
Massivbau | Satteldach | Fassade: Sichtbeton, Holz, Stahl, Eternitplatten
[ Raumangebot ]
Nettowohnfläche: 400 m² | Anzahl Zimmer: 7
[ Ausbau ]
Boden: Feinsteinzeugplatten | Wände: Sichtbeton | Sky-Frame, Aluminiumfenster
[ Technik ]
Sole-Wasser-Wärmepumpe | Thermische Solaranlage | Cheminée















