Naturverbundene Harmonie

Eingebettet in die üppig grünen Hügel rund um den Gardasee fand die Bauherrin unerwartet das perfekte Grundstück für ein Haus, das ihre Bedürfnisse nach moderner Architektur, umweltfreundlicher Bauweise und harmonischer Einrichtung erfüllen sollte.

Naturverbundene Harmonie
Text Martina Hunglinger, Anna Ettlin | Fotos Mads Mogensen
Eingebettet in die üppig grünen Hügel rund um den Gardasee fand die Bauherrin unerwartet das perfekte Grundstück für ein Haus, das ihre Bedürfnisse nach moderner Architektur, umweltfreundlicher Bauweise und harmonischer Einrichtung erfüllen sollte.
Peter Plattner sieht sich teils als Architekt, teils als Psychologe. «Ein Grundstück zu analysieren und die funktionellen Bedürfnisse der Bauherrschaft herauszufinden, hat schon immer zu diesem Beruf gehört», sagt er. «Wir bemühen uns aber, einen Schritt weiter zu gehen.» Dazu stellt Peter Plattner seinen Bauherrschaften auch Fragen, die man nicht unbedingt von einem Architekten erwartet: Was bedeutet es für Sie, mit der Natur zu leben? Was ist Ihr täglicher Rhythmus? Bevorzugen Sie Sonne oder Schatten? Was sind Ihre Interessen und Hobbys? Haben Sie Lieblingsmaterialien oder -farben? Erst nachdem er die zukünftigen Bewohner und das Grundstück eingehend kennenlernen konnte, beginnt der Bozener Architekt mit dem Zeichnen. «Meine eigenen Vorstellungen und Eindrücke sind zweitrangig», sagt Peter Plattner. Das schätzte auch die Bauherrin dieses Hauses in Norditalien, eine ehemalige Modeverkäuferin, die heute im Immobilienbereich tätig ist. «Peter ist kein Architekt, der jedem Haus seine persönliche Handschrift aufzwingen möchte», erklärt sie.Über das Grundstück stolperte die Bauherrin aus Zufall. Sie wurde mit dem Verkauf eines bestehenden Hauses in Padenghe am Gardasee beauftragt. «Ich verliebte mich auf den ersten Blick in die Lage und die wunderbare Aussicht», erinnert sie sich. Zuerst plante sie, das alte Gebäude instand zu setzen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die alte Bausubstanz in einem zu schlechten Zustand war, um sie sinnvoll zu renovieren. Zunächst war die Bauherrin enttäuscht, doch dann sah sie in dieser Entwicklung eine Chance, auf dem Grundstück ihr perfektes Zuhause zu bauen: modern, pflegeleicht und umweltfreundlich. Vom Bestandsgebäude konnten nur zwei Mauern im Erdgeschoss behalten werden.

Warm und modern

Nach eingehenden Gesprächen mit der Bauherrin entwarf Peter Plattner ein Haus, das auf ihre Wünsche und ihren Lebensstil massgeschneidert ist. Der moderne Bau steht selbstbewusst auf dem bewachsenen Grundstück. Zwei separate Volumen sowie ein in den Hang integriertes Untergeschoss definieren die Architektur des Hauses. Die Materialisierung setzt auf Stein, Glas und Stahl, während der gezielte Einsatz von Holz Wärme stiftet und dem minimalistischen, modernen Stil seine Härte nimmt. Eines der wichtigsten Anliegen der Bauherrin war, die eindrückliche Aussicht wo immer möglich zu betonen und sich nicht von der Natur abzugrenzen. Im fertigen Haus dient die Natur vielmehr als Verbindungselement zwischen den einzelnen Bereichen und lässt die Räume ineinanderfliessen. Alle Räume des Hauses – auch die zwei Badezimmer und die Sauna – öffnen sich zum Garten und zur umliegenden Natur, was die Grenzen zwischen Innen und Aussen verschwimmen lässt.

Innen wie aussen

Ein offener Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss empfängt die Besucher. Geöltes Teakholzparkett verleiht dem Raum Wärme. Im Kontrast dazu steht die Küche aus gebürstetem Edelstahl. Gedämpfte Grün- und Blautöne beleben den Wohn- und Essbereich und harmonieren mit dem Aussenraum, der dank grosszügiger Verglasung sehr präsent ist. Durch raumhohe Schiebetüren gelangt man auf eine weitläufige Terrasse und in den Garten. Auf derselben Ebene, in einem separaten Quader, liegen das Schlafzimmer der Bauherrin sowie eine separate Ankleide und ein Badezimmer mit Dusche und WC. Das Schlafzimmer verfügt über eine Badewanne en suite, die von einer freistehenden Wand vom Bett getrennt wird. Auf der Schlafzimmerseite wurde die Wand gepolstert und dient dem Bett als Kopfende.

Über eine elegante stählerne Spindeltreppe gelangt man aus dem Erd- ins Untergeschoss, wo neben Gästezimmer und -bad auch ein Büro, eine Sauna, ein Meditationsraum und die Waschküche untergebracht sind. Aus der verglasten Sauna öffnet sich der Blick in einen kleinen, mit Bambus bepflanzten Innenhof, der zugleich als Lichtschacht dient und Tageslicht ins Untergeschoss bringt. Zwei Zypressen, die neben der Innenhoföffnung wachsen, scheinen ihn zu bewachen. Die Bäume standen bereits vorher auf dem Grundstück und konnten von den Bauarbeiten verschont werden.

Rückzugsorte

Kleine Nischen und geborgene Ecken, in die man sich zurückziehen kann, finden sich sowohl im Inneren als auch im Aussenbereich des Hauses. So lädt im Wohnzimmer ein Vintage-Sessel neben dem Cheminée an kühlen Abenden zum Lesen und Verweilen ein. An einem Ende der grossen Terrasse, windgeschützt zwischen dem Wohn- und dem Schlaftrakt, liegt ein kleiner Teich, der von Seerosen und anderen Wasserpflanzen bewachsen ist. Die lange Holzbank neben dem Teich ist der Lieblingsort der Bauherrin im gesamten Haus. Die Idee für den Teich wie auch für viele weitere Gestaltungselemente kam von der Schwester der Bauherrin, der Stylistin und Dekorateurin Martina Hunglinger. Aufgrund seiner hochmodernen, minimalistischen Architektur hatte das Haus zunächst eine maskuline Atmosphäre. Martina Hunglinger half ihrer Schwester, etwas mehr Wärme, Weiblichkeit und Weichheit hineinzubringen. Organische Materialien und Texturen bereichern das Hausinnere, ohne es zu beschweren. Bei der Gartengestaltung setzten die Schwestern auf Bambus, Stauden und mediterrane Kräuter. «Meine Schwester versteht meine Natur, meine Liebe zum Reisen und meinen internationalen Lebensstil», sagt die Bauherrin. «Sie hat auch einige eklektische und humorvolle Momente hineingebracht.»

Für Umweltfreundlichkeit sorgt die Technik des Hauses: Geheizt wird mit Erdwärme, eine Photovoltaik-Anlage liefert den nötigen Strom dafür. An der Fassade kam unbehandeltes Zedernholz zum Einsatz. «Das Holz altert natürlich, färbt sich dunkler, wenn es regnet, und bleibt hell, wenn das Wetter schön ist», sagt die Hausbesitzerin. Mit ihrem neuen Zuhause ist sie sehr zufrieden. «Dieses Haus wurde für mich gebaut und erfüllt meine Wünsche bis ins kleinste Detail», sagt sie. «Ich freue mich, in Peter Plattner einen Architekten gefunden zu haben, der nicht nur sehr fachkundig ist, sondern auch ein tiefes Verständnis für seine Kunden entwickeln kann.»

«Ich freue mich, einen Architekten gefunden zu haben, der ein tiefes Verständnis für seine Kunden entwickeln kann.»
Die Bauherrin

TECHNISCHE ANGABEN

[ ARCHITEKTUR ]

Peter Plattner | Bozen, Italien | peterplattner.it

[ KONSTRUKTION ]

Massivbau | Flachdach | Fassade: unbehandeltes Holz, Porphyrplatten

[ Raumangebot ]

Nettowohnfläche: 185 m² | Anzahl Zimmer: 6,5

[ Ausbau ]

Boden: Teakparkett im EG, fugenloser Belag aus Zement, Marmorpulver und natürlichen Pigmenten im UG | Fenster: Holz

[ Technik ]

Erdsonde | Sole-Wasser-Wärmepumpe | Photovoltaik | Cheminée

Naturverbundene Harmonie
Das L-förmige Sofa wurde nach Mass gefertigt und ist auf den See ausgerichtet. Die Metalltischchen entwarf die Bauherrin selbst.
Naturverbundene Harmonie
Die Küche aus gebürstetem Edelstahl kontrastiert mit der Wärme des Teakholzparketts.
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Aus der Sauna blickt man in einen bambusbewachsenen Innenhof, in dem man sich zwischen den Saunagängen entspannen kann.
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Die weitläufige Terrasse im Erdgeschoss richtet sich zum Gardasee aus und lädt ein, die Aussicht zu geniessen.
Naturverbundene Harmonie
Das Untergeschoss des Hauses wird über eine stählerne Spindeltreppe erschlossen.
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Porphyrplatten kleiden die Aussentreppe und die Garage im Untergeschoss ein. Von der grossen Terrasse im Erdgeschoss öffnet sich die Aussicht auf den Gardasee.
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Erdgeschoss
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Obergeschoss
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